V2H und V2G klingen nach der Zukunft des Ladens. Ein nüchterner Blick auf das, was in der Schweiz 2026 tatsächlich funktioniert, kaufbar ist und was noch Marketing ist.
Normales Laden fliesst nur in eine Richtung: Strom vom Netz oder von der PV-Anlage ins Auto. Bidirektionales Laden kehrt das um: Das Auto kann seinen Akku auch wieder entladen, entweder ins eigene Haus (V2H, Vehicle-to-Home, meist zur Überbrückung eines Stromausfalls oder um abends selbst produzierten Solarstrom vom Morgen zu nutzen) oder zurück ins öffentliche Netz (V2G, Vehicle-to-Grid, wofür der Netzbetreiber in manchen Ländern sogar bezahlt). Das Auto wird damit zu einem grossen, fahrbaren Stromspeicher.
Die klare Antwort: praktisch nur der VW-Konzern, und auch dort nur mit dem richtigen Software-Stand. Serienreif bidirektional (DC, über CCS) sind aktuell:
Für Hyundai/Kia (E-GMP-Plattform) verspricht ein Teil der Fachpresse ebenfalls echtes V2H, die Hersteller selbst sprechen aber nur von V2L (Strom für Geräte über eine Steckdose am Auto, kein Hausanschluss) und bezeichnen V2H/V2G als "in Entwicklung". Auf dieser Seite listen wir deshalb nur, was Hersteller selbst als verfügbar bestätigen.
Eine ältere Fahrzeuggeneration mit CHAdeMO-Anschluss (Nissan Leaf, Honda e, Mitsubishi Outlander PHEV, Citroën C-Zero, Peugeot iOn) unterstützt bidirektionales Laden ebenfalls, allerdings über eine komplett andere Geräte-Kategorie als die VW-Plattform oben.
Das ist der Teil, der in den meisten Artikeln zu kurz kommt: "Bidirektional" ist nicht gleich teuer.
Günstig: AC-bidirektional. Der Zaptec Go 2 unterstützt V2G bereits über eine normale Typ-2-AC-Verbindung (kein zusätzlicher DC-Wandler nötig), Rollout seit 2025 auch in der Schweiz. Hardwarepreis öffentlich gelistet: ab CHF 889.–, also im Bereich einer normalen Wallbox. Unklar ist, ob die V2G-Freischaltung selbst nochmals einen Aufpreis oder ein Abo braucht, das ist beim Händler zu erfragen.
Teuer: DC-bidirektional. Für echtes V2H mit nennenswerter Leistung braucht es bisher spezialisierte DC-Wallboxen, die einen eigenen Wechselrichter mitbringen. Das EVTEC-Gerät "crema&charge Bidi" (22 kW, für die VW-MEB-Plattform) wird in der Schweiz z. B. über sun2wheel als "Two-way-20" für rund CHF 13'000.– vertrieben, teils mit kantonalen Förderbeiträgen (z. B. je CHF 2'000.– in den Kantonen Zürich oder Luzern). Andere Anbieter wie das EDISON V2H (E3/DC, Hager Group) oder ambiCHARGE (Ambibox) nennen keinen öffentlichen Schweizer Preis, nur "auf Anfrage".
Der Grund für den Preisunterschied: DC-Geräte übernehmen die AC/DC-Wandlung selbst und lassen sich meist direkt mit einem Hausspeicher/PV-System kombinieren, das kostet deutlich mehr Hardware als eine reine AC-Wallbox mit V2G-Software.
Ehrlich gesagt: Für die meisten Haushalte heute noch nicht ausschliesslich wegen der Bidirektionalität. Die grossen DC-Geräte kosten mehr als eine komplette Solarbatterie vergleichbarer Kapazität, und die echte Vergütung fürs Rückspeisen ins Netz (V2G) ist in der Schweiz noch kein etabliertes, flächendeckendes Geschäftsmodell. Sinn ergibt es am ehesten, wenn ohnehin eine PV-Anlage vorhanden ist und du das Auto als Puffer für den Eigenverbrauch nutzen willst (V2H), oder wenn dich Notstromfähigkeit bei einem Stromausfall konkret interessiert.
Die günstige AC-Variante (Zaptec Go 2) ist dagegen kaum teurer als eine normale Wallbox und lohnt sich eher als "für später vorbereitet", falls sich passende Vergütungsmodelle etablieren, vorausgesetzt, dein Fahrzeug unterstützt das überhaupt.
Aktuelle Wallbox-Angebote inklusive bidirektionaler Modelle findest du in unserem Lade-Helfer.
Stand: September 2026. Fahrzeugkompatibilität und Preise ändern sich in diesem Marktsegment schnell, wir aktualisieren diese Seite regelmässig, eine Herstelleranfrage vor dem Kauf lohnt sich trotzdem immer.